Diskogene Schmerzen der LWS und Bandscheiben-Degeneration

 

Diskogenes Schmerzsyndrom der LWS

Was versteht man unter einem diskogenen Schmerzsyndrom?

In den vergangenen 15 Jahren hat sich das Wissen um bandscheiben-bedingte Erkrankungen erheblich erweitert. So ist es inzwischen unstrittig, dass die Bandscheibe selbst Schmerzgenerator für chronische tiefsitzende Rückenschmerzen sein kann, das heißt, eine oder zwei Bandscheiben sind Auslöser der Schmerzen, auch wenn ein Bandscheibenvorfall nicht vorliegt. Die Häufigkeit diskogener Schmerzen in der Gruppe der Patienten mit chronischen tiefsitzenden Rückenschmerzen wird in der Literatur auf etwa 40% geschätzt.

Wie bemerkt man diese Krankheit?

Die meisten Patienten geben an, dass sie wegen tiefsitzender Rückenschmerzen nicht sehr lange sitzen können, weshalb sie oft die Sitzposition verändern oder aufstehen müssen. Die Sitzzeit kann auf lediglich 10 bis 15 Minuten eingeschränkt sein. Bei manchen Patienten treten diese Beschwerden auch im Stehen auf, immer werden sie aber durch Bewegng besser, so dass oft keine Einschränkungen in der Freizeit bestehen.

Wodurch entsteht ein diskogenes Schmerzsyndrom?

Zum natürlichen Verlauf der Bandscheibendegeneration gehört der Verlust von Flüssigkeit im Bandscheibenkern (Nukleus), mit der Folge, dass sich die Lamellen des Faserrings (Anulus) verziehen. Dieses Phänomen führt zu einer erhöhten Mobilität des betroffenen Segments und zu einer Scherbelastung des Anulus. Im weiteren Verlauf kann es zu Einrissen des Faserrings kommen. Die fortschreitende degenerative Veränderung der Bandscheibe verändert auch ihre mechanischen Eigenschaften. Mechanorezeptoren in der Wand der Bandscheibe können im Rahmen der Mobilisierung der Bandscheibe Signale erzeugen, Schmerzrezeptoren durch Entzündungsstoffe aus dem Bandscheibenkern sensibilisiert werden. Dies führt zu einer Senkung der Reizschwelle. Wirken mechanische und chemische Reize zusammen, kann es zu chronischen diskogenen Schmerzen kommen.

Wie wird ein diskogenes Schmerzsyndrom festgestellt?

In der Regel liefern weder die klinische Untersuchung, noch ein Röntgenbild und eine Computertomographie Hinweise auf diese Erkrankung. Auch in der Kernspintomographie ist oft nur eine beginnende Degeneration einer oder mehrerer Bandscheiben zu sehen. Aufgrund der sehr typischen Beschwerden, kann sich aber der Verdacht auf ein diskogenes Schmerzsyndrom ergeben. Die beste Möglichkeit, ein diskogenes Schmerzsyndrom festzustellen, ist die Diskographie.

Wie kann sich ein diskogenes Schmerzsyndrom ohne Behandlung entwickeln?

Üblicherweise bleiben die Beschwerden bestehen, das heißt, es tritt weder eine spontane Besserung, noch eine plötzliche Verschlechterung ein. Da die Nerven im Nervenkanal nicht betroffen sind, ist das Auftreten von Lähmungen sehr unwahrscheinlich.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Auch hier gilt, dass vor Durchführung invasiver Maßnahmen konservative Behandlungen insbesondere mit krankengymnastischen Übungsbehandlungen und medizinischer trainingstherapie über mindestens drei Monate ohne Erfolg geblieben sein müssen.

In den letzten Jahren wurden neue Therapieverfahren konzipiert, welche eine gezielte minimal-invasive Behandlung dieses diskogenen Schmerzsyndroms ermöglichen sollen. Das sowohl hinsichtlich der Grundlagenforschung wie auch der klinischen Ergebnisse mit Abstand bestuntersuchte dieser intradiskalen Verfahren ist die Intradiskale Elektrothermale Therapie (IDET), welche seit 1997 weltweit über 70.000 Mal angewendet wurde.

Sehr wenige oder fragliche Daten liegen vor bezüglich Injektionen von Ozon, Cortison oder anderen entzündungshemmenden Substanzen in die Bandscheibe.

Bei einem ausgeprägten Verschleiß der Bandscheibe oder Versagen der oben genannten Verfahren stellt die Implantation einer künstlichen Bandscheibe eine operative Möglichkeit dar, ausgeprägte Schmerzen deutlich zu bessern.

Bandscheibendegeneration

Was ist eine Bandscheibendegeneration / Spondylose / Osteochondrose?

Die Bandscheibe besteht aus einem elastischen Kern (Nukleus) und einem faserknorpeligen Ring (Anulus). Aus nicht genau bekannten Gründen treten Verletzungen (Mikrofrakturen) am Übergang von Bandscheibe zum angrenzenden Wirbelkörper auf, welche als Beginn des Verschleißprozesses angesehen werden. In der Folge kommt es zu einer Austrocknung des Nukleus und einer Überlastung und Rissbildung im Anulus. Diese Bandscheibendegeneration kann zu einem diskogenen Schmerzsyndrom führen, oder durch die Überbeanspruchung zu Veränderung der angrenzenden Wirbelkörper (Osteochondrose), Knochenspornbildungen (Spondylosis deformans / Spondylose) und eventuell einer degenerativen Instabilität. Von der erosiven (agressiven) Osteochondrose abgesehen, sind diese letztgenannten Veränderungen per se oft nicht schmerzhaft, führen aber aufgrund der fehlenden Funktion der Bandscheibe zu einer Überlastung der Wirbelgelenke und zum sog. Facettengelenksschmerz.

Wie wird diese Krankheit festgestellt?

Bei fortgeschrittenem Verschleiß zeigen sich im Röntgenbild eine deutliche Höhenminderung der Bandscheibe sowie typische Veränderungen an den Grund- und Deckplatten der Wirbelkörper. Bei einer beginnenden Bandscheibendegenerationen sind oft weiterführende Untersuchungen wie Kernspintomographie und Diskographie notwendig, um die Diagnose stellen zu können.

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